Zu privilegiert, um unzufrieden zu sein?

Meinen letzten großen Blogartikel über den Weiblichen Zyklus schrieb ich, als ich tagelang krank im Bett lag und rein gar nicht tun konnte. Tadaaa, jetzt ist es schon wieder so weit. Mich hats ordentlich umgehauen, mein Körper hat die Handbremse eingelegt und schwups, hatte mein Inneres wieder Zeit und vor allem Kapazität, Themen zum Vorschein zu bringen, die die ganze Zeit schon in einer Ecke schlummern und auf ihren Auftritt warten. Und da ich meine Tagebuch-Themen gern mit euch teile, gibts nun mal wieder was von mir ;-).

Keine Zeit zum fühlen? Gnadenlose Ehrlichkeit mit mir selbst.

„Wie traurig eigentlich“, denke ich, während ich das gerade schreibe. Meine übrige Zeit ist immer mit so unendlich vielen, ach so wichtigen Sachen und Erledigungen vollgestopft, dass ich es nicht schaffe, die Dinge, die gerade wirklich meine Aufmerksamkeit brauchen, anzuschauen. Prokrastination in Sachen „was ist gerade WIRKLICH dran“, wäre dann also mein Spezialgebiet.

Da ich dieses Spiel jedoch nicht erst seit gestern mitspiele, weiß ich, dass es so sowieso nicht funktioniert. (Ich probiers trotzdem immer wieder, haha). Es funktioniert nicht, seinen Tag (unbewusst) mit allem möglichen vollzustopfen – sei es Sport, Haushalt, Arbeiten, ja auch die „spirituelle“ Morgenroutine, die fast nurnoch automatisch abläuft, in die Natur gehen, und und und-, um hinterher keine Kapazität zu haben, für das eklige Thema im Hintergrund, mit welchem ich mich eigentlich ja beschäftigen will. Aber scheinbar irgendwie doch nicht?

Jetzt liege ich hier nachts wach, weil ich den halben Tag geschlafen habe und wer kennt es nicht? Nachts haben die kleinen Schlummergeister, welche wir tagsüber so gut verdrängen konnten, plötzlich Superkräfte und kommen alle zusammen gleichzeitig zum Vorschein. BÄM. Okay, beruhigt euch mal. Das ist ganz schön laut in meinem Kopf. Ich kann euch beim besten Willen nicht allen Gleichzeitig zuhören. Totale Überforderung.

Also gut, wir gehen rein. Was ist gerade wirklich los? Wieso stehe ich seit Wochen unter so schier erdrückendem Stress, hab depressive Phasen und erkenne mich selbst nicht wieder? Warum bin ich so unglaublich gereizt und meine Zündschnur nurnoch milimeter lang? Was geht denn hier ab? So kenne ich mich nicht.

Es fühlt sich an, als stecke ich fest. So richtig, richtig fest.

Es ist doch alles gut! Oder nicht?

Ich wohne in einer schönen Wohnung, hab neben meinem Job tolle Projekte am Start, auf die ich wirklich Bock habe, verdiene gutes Geld, eigentlich müsste ich doch glücklich sein?

Und doch bin ich es nicht. Gar nicht. Ja wirklich, eigentlich bin ich so nicht-glücklich wie schon ewig nicht mehr. Nein, ich bin nicht traurig. Ich bin nur anders… als ICH bin. Ich kenne mich als positiven, emphatischen, immer gut gelaunten Frohmenschen. Und irgendwie fühle ich mich nun dumpf. Es kostet mich unglaubliche Anstrengung, mich so zu fühlen, wie ich mich eigentlich sonst immer wahrgenommen habe. Es stimmt definitiv etwas nicht.

Weißt du, ich bin unendlich dankbar für mein Leben. Es gibt nichts, worüber ich mich beschwere. Ich lebe unglaublich priviligiert. Ich weiß das. Und glaub mir, ich bin jeden Tag dankbar dafür und ich erinnere mich jeden Morgen daran. 

Und doch weiß ich, dass etwas fehlt. Äääääh okay. Habe ich als privligierter Mensch überhaupt das recht, unzufrieden zu sein? Anderen geht es doch sicherlich viel schlechter. Wie unsensibel, Lea. 😉

Ich weiß schon lange, das ist nicht das Leben, was für mich bestimmt ist. Ein Job, der mich zwar nicht unglücklich macht, aber mich auch nicht erfüllt. Der mir meine Lebenszeit raubt für Dinge, in welchen ich viel größeres Talent habe. Mit welchem ich Menschen viel mehr erreichen und in der Welt viel mehr bewirken kann. Was mich viel mehr erfüllt und mein Herz zum hüpfen bringt. Was mir wirklich wichtig ist.

Eine Umgebung, in der ich mich nicht gesehen fühle. In der ich belächelt (oder ignoriert) werde, für das was ich tue. Begegnungen und Verbindungen, die gleichzeitig so tief und doch so oberflächlich sind. 

Wo ich mich alleine fühle und mein Licht irgendwie immer wieder an Helligkeit verliert und durch Selbstzweifel gedimmt wird.

Hört die Sicherheit da auf, wo das wahre Leben beginnt?

Was hält mich hier? Wo will ich hin? Was will ich machen?

Ich habe tausende Fragen und Antworten auf alles. Eigentlich weiß ich ziemlich genau, was ich will. Wofür mein Herz schlägt und wonach sich meine Seele lechzt. Hier kann ich mich damit aber nicht entfalten. Oder doch? Mache ich es neben meinem Hauptjob? Fragen über Fragen.

(Und nebenbei soll ich am besten als 4/1 Projektor einfach auf Einladungen warten.., was nochmal einen ganzen Blogeintrag entstehen lassen würde, wenn ich darauf noch eingehe :D)

Ich weiß auch ziemlich genau, was mich abhält. Was mich abhält, wegzugehen. Meinen Job zu kündigen, was neues anzufangen.

Sicherheit. Immer wieder Sicherheit.

Und ja, ich weiß (und ich kann es wirklich nicht mehr hören), dass ich die Sicherheit in mir selber haben muss.

Das ist mir bewusst! Ich bin mir der Sicherheit in mir und mit mir bewusst. Dafür habe ich so viel getan in den letzten 5 Jahren.

Und trotzdem bin ich ein Mensch, welcher seit 8 Jahren einen sehr gut bezahlten Job hat. Die sich NIE Gedanken um Geld machen musste (was ich mir aber auch selbst aufgebaut habe, nachdem meine Jugend in meiner Familie von Geldthemen geprägt war). D.h. ich habe ein Thema mit Geld. Auch das ist mir bewusst.

(Supriseeeeee, u.a. aus diesem Grund arbeite ich in einem der sichersten Jobs die man haben kann.:D )

Und mein ganzes System möchte daran festhalten. Wie oft rede ich mir ein, dass es doch gar nicht so schlimm ist, dass ich wundervolle Kollegen habe. Und das ist auch so!!!! Und jaaaa, ich mag meinen Job sogar. Sehe auch den Sinn dahinter und bin froh, diesen damals mit meinen süßen 18 Jahren gewählt zu haben.

Trotzdem spüre ich schon SO LANGE, dass dieser Job mich nun leider nicht erfüllt. Und ich möchte ganz einfach nicht in einem Job arbeiten, der nur meine Rechnungen bezahlt und „gar nicht nicht so schlimm“ ist. Dafür bin ich nicht hier. 

Es ist ein Dilemma. Eines, welches ich nur selbst lösen kann. Eines, welches ich auch nur lösen kann, ich dem ich weiterziehe und andere Dinge ausprobiere. Ey, vielleicht würde ich sogar irgendwann zurückkehren? I don’t know. Jedoch werde ich es nie erfahren, wenn ich stehen bleibe.

Einfach kündigen? Ja, sag das mal der Sicherheit in mir. 

Da bleiben? Auch keine Option.

Ich bin nun an einem Punkt, an dem nichts mehr funktioniert, was die letzten Jahre so gut funktioniert hat. Und ich weiß auch genau wieso. Alles gehört zu seiner Zeit. Und irgendwie bereitet alles einen darauf vor, nach einer gewissen Zeit wieder aus seiner aufgebauten Komfortzone auszubrechen und weiterzuziehen. Und obwohl ich weiß, dass es richtig ist, fühlt es sich ehrlicherweise gerade scheiße an.

Über 7 Brücken musst du gehen…

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Und so ist es auch mit dem Leben. <3

Ich werde im März 28 Jahre alt. Man sagt, alle 7 Jahre verändert sich ein Mensch. Muss nicht bei jedem stimmen, bei mir tut es das!

Vielleicht spüre ich deswegen diese Unzufriedenheit immer mehr und immer stärker. Sie wirkt sich mittlerweile auf meinen ganzes System aus und ist nicht nur ein Gedanke in meinem Kopf, wie es die Jahre vorher immer mal wieder der Fall war. Ich spüre sie SO STARK, dass ich darunter LEIDE. Dass ich mich zu einem Menschen verändere, die ich nicht erkenne und die ich nicht sein will.

Ich weiß, dass es an der Zeit ist, was zu verändern.

Wann wird das sein? Keine Ahnung. 

Ich weiß nur, dass es so sein wird und so sein MUSS.

Vielleicht verharre ich auch noch ein paar Monate oder gar Jahre in diesem Zustand und versuche es mir immer wieder schönzureden. Ich bin mir jedoch sicher, dass dieser neue 7-Jahres Zyklus Veränderungen mit sich bringt.

Die letzten 7 Jahre brachten so viel Veränderung in meinem Inneren mit. Jetzt gehts los mit Veränderungen im Außen (was auch in diesem Jahr schon angefangen hat).

Ich weiß, dass es sein muss, sein darf und sein wird.

Ich bleibe nicht stecken und rede mir schön, was nicht für mich bestimmt ist. Das kann ich mir und meinem Zukunfts-Ich nicht antun.

Ich habe Angst. Gleichzeitig weiß ich, dass wundervolles auf mich wartet.

Der erste Schritt beginnt mit der Erkenntnis.

Und diese kann ich nicht mehr leugnen.

Für dich.

Vielleicht geht es dir genauso, vielleicht fühlst du dich in manchen Dingen angesprochen.
Dann lass dir gesagt sein, du bist nicht alleine.

Und auch wenn in der spirituellen Bubble viel darüber geredet wird, dass die Sicherheit in dir selbst am wichtigsten ist (dem ich trotz allem auch zustimme), dürfen wir nie vergessen, dass wir Menschen sind, die sich entschieden haben, menschliche Erfahrungen zu machen.

Und dass wir seit etlichen Generationen vorgelebt bekommen, wie wichtig Sicherheit im Außen ist. Wie wichtig es ist, Rechnungen, Miete etc. zu bezahlen. In uns allen steckt ein kollektives Trauma, um sein Überleben zu kämpfen. Deswegen ist es faktisch bescheuert, die Sicherheit im außen zu ignorieren. 

Es macht Angst, die Sicherheit im außen aufzugeben. Und das ist normal!

Es ist rein gar nichts falsch an dir.

Und ich muss es wiederholen. Für dich und auch für mich:

Auch wenn du ein priviligiertes Leben führst, mit einer tollen Partnerschaft, mit einem sicheren und sehr gut bezahlten Job. Wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt, hast du verdammt noch mal das recht, unzufrieden zu sein.

Innere Sicherheit und äußere Sicherheit sind für mich nicht zu trennen.

Dein Inneres erschafft dein äußeres, klar. 

Aber auch die äußere Sicherheit erschafft dein Inneres, erschafft Ent-Spannung. 

Und in der Ent-Spannung entstehen Wunder.

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